Projekt Beschreibung

Was ist eine Endokarditis?

Spricht der Mediziner von einer Endokarditis meint er damit die Entzündung der Herzinnenhaut (Endokard). Die Erkrankung wird durch Bakterien verursacht. Sie bringt in der Regel eine hohe Sterblichkeitsrate (Mortalität) mit sich. Insbesondere Patienten, die gewisse Risikofaktoren aufweisen, neigen beim Übertritt von Bakterien in die Blutlautbahn zur Ausbildung einer Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis). Besonders risikoreich sind bei den Betroffenen daher verschiedene zahnärztliche Eingriffe, bei denen Bakterien ins Blutgefäßsystem eintreten können.

Die sogenannte transitorische Bakteriämie bezeichnet ebendieses kurzweilige Vorhandensein von Bakterien im Blutkreislauf.

Mithilfe einer vorbeugenden Gabe von Antibiotika (Endokarditisprophylaxe) kann ein bakterieller Befall der Herzinnenhaut bei Risikopatienten verhindert werden.

Um einer infektiösen Endokarditis vorzubeugen, gelten folgende Behandlungen als sehr zielführend:

  1. Gute Mundhygiene
  2. Regelmäßigen zahnärztlichen Untersuchungen
  3. Versorgung mit Füllungen und die Erhaltung der Beschwerdefreiheit der Zähne
  4. Regelmäßige Kontrolle des vorhandenen Zahnersatzes

Auch, wenn die Zahnpflege selbst einen Risikofaktor bei der Entstehung einer Bakteriämie bildet, ist es umso wichtiger, gewissenhaft vorzugehen und den Mundraum möglichst gesund zu halten. Eine reduzierte Anzahl von Keimen in der Mundhöhle sowie eine entsprechende Mundhygiene können demnach einer Endokarditis vorbeugen. Dafür ist auch die regelmäßige professionelle Zahnreinigung unumgänglich!

Inzwischen empfehlen Experten die Prophylaxe nur noch bei Hochrisikopatienten, bei der eine Endokarditis vermutlich tödlich enden würde.

  • Patienten mit Herztransplantation
  • Patienten mit Herzklappenschäden
  • Patienten mit biologischem oder mechanischem Herzklappenersatz
  • Patienten mit rekonstruierten Herzklappen aus synthetisch hergestelltem alloplatischem Material
  • Patienten, welche von Geburt an zyanotische Herzfehler haben
  • Patienten, die bereits eine Endokarditis hatten

Allgemein fallen Patienten in diese Gruppe, deren Herzfehler operativ über Prothesen behandelt wurden, solange die Prothese nicht gänzlich vom Körper angenommen und von Endokard überzogen wurde. In der Regel dauert dieser Prozess ebenfalls sechs Monate.

In der Regel zielen die Antibiotika, welche bei zahnärztlichen Eingriffen verabreicht werden, auf Streptokokken der Viridans-Gruppe ab.

Einnahme: Eine halbe Stunde bis Stunde vor dem eigentlichen Eingriff

WICHTIG!

Wird die Einnahme vergessen, sollte sie unbedingt nachträglich bis zu zwei Stunden nach dem Eingriff erfolgen.

Sind Abszesse im Mund beteiligt, müssen Patient und Mediziner zudem damit rechnen, dass noch andere Arten von Streptokokken beteiligt sind. Daher wird in diesen Fällen entweder ein staphylokokkenwirksames Penicillin oder Cephalosporin empfohlen.

Leidet der Patient unter einer ß-Laktam-Allergie können auch Clindamycin oder Vancomycin gegeben werden.

Zur den Risikogruppen gehören Patienten mit:

  • Herzfehlern
  • Herzfehlbildungen
  • Herzklappenerkrankungen

An Engstellen im Herzen können Blutgerinsel (Thromben) entstehen, welche sich auf der Innenhaut auflagern und so Angriffsfläche für die Bakterien bilden. Diese Bakterien können eine Endokarditis hervorrufen.

Die Art der Endokarditisprophylaxe hat sich in den letzten Jahren verändert. Inzwischen wird bei Patienten, die in die oben genannten Risikogruppen fallen, nur noch in seltenen Fällen ein Antibiotikum verabreicht. Die Empfehlungen unterschiedlichster Fachgesellschaften besagten, dass die vorher routinemäßig gegebenen Antibiotika aus unterschiedlichen Gründen ihren Effekt verfehlen könnten.

Hinzu kommt, dass die bisherige Vorgehensweise bei der Endokarditisprophylaxe sich möglicherweise als wenig sicher erweist. Experten gehen davon aus, dass bereits bei täglicher Zahnpflege und dem Kauen bei der Nahrungsaufnahme Bakterien ins Blutgefäßsystem gelangen, welche eine Endokarditis auslösen könnte.

Empfohlen wird eine vorbeugende Antibiotikabehandlung bei oben genannten Risikopatienten bei einer Vielzahl von zahnärztlichen Behandlungen:

  • Alle Eingriffe, die das Zahnfleisch (Gingiva) betreffen (PZR; Zahnstein Entfernung)
  • Behandlungen der Zahnwurzelspitzen (WSR = Resektion der Wurzelspitzen)
  • Intraligamentären Anästhesie (ILA)
  • Eingriffe mit einer Perforation der Mundschleimhaut (oralen Mukosa) (Biopsien, Implantate, Knochenaufbauten etc.)
  • Befestigung von Bändern für kieferorthopädische Apparaturen

Der Grund für den weitestgehenden Verzicht auf eine prophylaktische Gabe von Antibiotika trotz der Gefahr einer auftretenden Endokarditis sind die schweren allergischen Reaktionen, welche verschiedene Antibiotika auslösen können. Ein ausgelöster, anaphylaktischer Schock kann im schlimmsten Fall tödlich enden, weshalb ein Paradigmenwechsel als nötig erachtet wurde. Zudem wird so die Entstehung einer Resistenz möglichst gering gehalten.

Sollten Bedenken für die Einnahme eines Antibiotikums bestehen, sollte unbedingt vorher eine Untersuchung auf Unverträglichkeit erfolgen!

Wir beraten Sie gerne!

Ihr Frank Saathoff